Gottes Geist trägt die Kirche und unsere Gemeinden vor Ort, wie der Wind einen Flugdrachen. Auf sinkende Zahlen und sinkende Bewegung in den Gemeinden reagieren wir oft wie beim sinkenden Drachen. Wir rennen, strengen uns noch mehr an, tun das Gleiche wie immer, nur noch intensiver.
Nur können wir die Bewegung, die Kirche und Gemeinden vor Ort trägt, nicht machen. Dauerhaft zu rennen und zu rotieren ersetzt den Wind nicht, sondern erschöpft und frustriert. Aber wir können in Ruhe wahrnehmen, wo Gottes Geist bereits etwas bewegt. Und wir können den Mut aufbringen, dieser Bewegung nachzugehen, indem wir neue Felder kirchgemeindlichen Handelns erproben.

Ein ganzer Kirchenbezirk macht sich auf den Weg und zwar als Erprobungsgemeinschaft, bestehend aus den einzelnen Gemeinden. Dabei geht es darum, voneinander und miteinander zu lernen, wie es ganz praktisch aussehen kann, Gottes Geist vor Ort nachzugehen. Dafür folgen wir dem Zweischritt Wahrnehmen und Erproben.

Die aktuellen Veränderungen in der Kirche und den Gemeinden vor Ort werden als Herausforderung Gottes an uns wahrgenommen. Herausforderungen, die aus Gottes Hand kommen, sind keine Anzeichen des Sterbens, sondern des Erwachsenwerdens, bei denen es gilt, Komfortzonen zu verlassen. Es geht darum, Gottes Bewegung bei den Menschen heute zu suchen und ihr zu folgen, d.h. zu einer neu verstandenen missionarischen Ausrichtung zu finden.

Bereits vorhandene Ideen und erprobende Personen werden durch das Projekt gestärkt und motiviert.

Kleine innergemeindliche Ideen erfahren auf ephoraler Ebene Wertschätzung. Was probiert wird, wird nicht kritisch beäugt, sondern als etwas Wertvolles gesehen, das uns als Gemeinden im gemeinsamen Lernprozess weiterhilft.

Fehler werden nicht als Mangel an Expertise und Planungsfähigkeit verstanden, sondern als notwendige Fortschritte auf dem Weg der Erprobung.

Austausch gilt nicht als Zeichen von Schwäche, sondern als gottgewollter Schritt einer erprobenden und auf Gottvertrauen angewiesenen Lerngemeinschaft.

Wahrnehmen

In der eigenen Ortsgemeinde wird gesucht und wahrgenommen, welche gelungenen missionarischen Ideen, Projekte oder Veranstaltungen es bereits gab oder gibt. Missionarisch meint, das Evangelium verständlich zu vermitteln, es erlebbar zu machen, und zwar nicht nur für Kirchenferne, sondern auch für Menschen jenseits der Kerngemeinde. Denn als Kirchgemeinden erreichen wir zur Zeit nur noch 5-10% unserer eigenen Gemeindeglieder.

Erproben

Inspiriert von den erprobten Ideen und Erfahrungen anderer Gemeinden wird es in der eigenen Kirchgemeinde praktisch. Eine (“eigen” oder kopierte) missionarische Idee, wird vor Ort ausprobiert.

Die Kirchenvorstände der Ephorie wurden von unterschiedlichen Personen (Multiplikatoren) besucht. Dabei wurde das Projekt “Jahr der Erprobung” vorgestellt.

Die Kirchenvorstände suchen nach Personen (mindestens 2), die kirchgemeindlich etwas Neues mit missionarischem Charakter ausprobieren wollen. Diese Personen bilden die „Steuerungsgruppe“.

Die Steuerungsgruppe in der jeweiligen Gemeinde übernimmt alle weiteren Aufgaben unter Begleitung durch den jeweiligen Multiplikator.

Die Multiplikatoren besuchen die Gemeinde und erkunden mit der Steuerungsgruppe wertschätzend eine dieser bereits bestehenden und erprobten Ideen missionarischer Gemeindearbeit.

Die Steuerungsgruppen stellen exemplarische Ideen als Kopier- oder Inspirationsvorlage für alle Gemeinden der Ephorie zusammen.

Alle Steuerungsgruppen treffen sich zusammen mit den Multiplikatoren am 25. Januar 2019. Dort wird ein erster Katalog aus den verschiedenen erprobten Ideen zur Verfügung gestellt. (Der Zeitplan wurde geändert – weitere Infos dazu hier.)

Die Steuerungsgruppe sucht nach neuen missionarischen Erprobungsideen oder übernimmt Ideen aus anderen Gemeinden (siehe Katalog). Erprobungsprojekte können auch die bewusste Fortführung von missionarischen Ideen sein, die bereits in der Gemeinde laufen. Ebenso können Erprobungsprojekte über die Gemeindegrenzen hinaus gedacht werden (Struktureinheit, Region, Diakonie, andere Einrichtungen…).

Die Steuerungsgruppe spricht das Projekt mit dem Kirchenvorstand ab.  Der Kirchenvorstand ist hierbei ein konstruktiver Begleiter, Ermutiger, Ermöglicher und Türöffner. 

Bei der Projektdurchführung steht ein Mitarbeiter der Ephorie als externer Ansprechpartner und Begleiter zur Verfügung.

Auf dem Kirchvorstehertag am 29. Februar 2020 stellen die Steuerungsgruppen ihre Erfahrungen mit den Projekten vor.

Was wäre, wenn die aktuellen Probleme unserer Landeskirche gottgewollt sind und uns zur Umkehr und Neuausrichtung von Kirche und Gemeinde auffordern?
Roland Kutsche
Koordinator des Projekts
Das Ziel ist es, dass wir voneinander lernen und uns ausrichten auf das, was der Herr der Kirche von uns will, nämlich seine Gemeinde mitten in dieser Welt zu bauen.
Rainer Findeisen
Superintendent des Kirchenbezirks
Es geht nicht um blinde Aktivität. Nicht die Projekte und Aktionen stehen im Fokus, sondern das Wahrnehmen, Denken und Beten, das sich im Gehen verändert.
Andreas Lau
Mitinitiator des Projektes

Mitmachen

Was dieses Projekt vor Ort bedeuten kann, hängt keineswegs allein vom Kirchenvorstand ab, sondern von denen, die sich herausfordern lassen, Neues missionarisch zu erproben.

Ist etwas für mich

Ich signalisiere beim Kirchenvorstand oder bei Roland Kutsche, dass ich mir vorstellen kann, Teil der Steuerungsgruppe oder des neuen Projektes in meiner Gemeinde zu werden.

Ist nichts für mich

Vielleicht verspüre ich aktuell nicht den Drang, Neues zu probieren oder kann mich zurzeit nicht einbringen. Jenseits aller Aktion braucht es mich aber für gute Rahmenbedingungen. Das meint als jemanden, der ermutigt, betet, wertschätzt, Fehler erlaubt, mitlernt, und wohlwollend begleidet, was erprobt wird.